Seit letzter Woche wird das Helpful Content Update für englischsprachige Seiten ausgerollt. Wie radikal ist Google dabei? Müssen wir unsere Inhalte jetzt neu schreiben?

Das Helpful Content Update von Google erinnert an die weltweit beliebte Aufräummethode von Marie Kondo. Ihr „Magic Cleaning“ verfolgt das Ziel, Unnützes und Krimskrams loszuwerden, Ordnung zu schaffen und allein die wirklich wichtigen Dinge aufzuheben. Was seit 10 Jahren in unseren heimischen Schubladen funktioniert, soll nun auch die Suchmaschinen neu und besser sortieren – Daher wird seit letzter Woche das Helpful Content Update für englischsprachige Seiten ausgerollt. Wie radikal ist Google dabei? Müssen wir unsere Inhalte neu schreiben? Oder bleibt Google bei genauerem Hinsehen doch eine Ramsch-Schublade?

SEO-Content löschen, People first Content erstellen?

Google-Helpful-Content-Update
Photo by Arkan Perdana on Unsplash

Google rollt aktuell das „Helpful Content Update“ aus, mit dem qualitativ hochwertige Inhalte gefördert und nutzlose Informationen aussortiert werden sollen. Soweit so gut. Die oberste Priorität des Updates soll die Qualität sein, so dass Nutzer*innen damit rechnen können, in den Suchergebnissen weniger Listenartikel und Clickbait-Artikel zu sehen. Diese Auswirkungen sind eine gute Nachricht für alle, die sich schon einmal über einen wenig hilfreichen Treffer in ihren Suchergebnissen geärgert haben. Unternehmen müssen sich jedoch an die eigene Nase fassen: Wie gut ist der eigene Content eigentlich? Ist er hilfreich genug, um die neue Prüfung durch das Google Update zu bestehen?

Tatsächlich spricht die Fachwelt in Bezug auf das Update von einer „Riesenänderung bei Google“ und „nachhaltigen Veränderungen“ für Websitebetreiber. Wer seine Pages jetzt schon Richtung Papierkorb zieht … STOP! Können wir bitte alle erst einmal innehalten und kurz durchatmen?

Schauen wir uns das Google-Update genauer an.

Fakten zum Helpful Content Update von Google

Auf der Seite Search Engine Roundtable sind zum Google-Update die wichtigsten Fakten in englische Sprache zusammengetragen, die wir Ihnen hier ins Deutsche übersetzen:

  • Bezeichnung: Helpful Content Update
  • Start: Das Ausrollen begann am 25. August.
  • Einführung: Es wird etwa zwei Wochen dauern, bis die Einführung abgeschlossen ist.
  • Nur Suche: Das Update wirkt sich derzeit nur auf die Google-Suche aus, nicht auf Google Discover oder andere Google-Oberflächen. Google könnte dies jedoch in Zukunft auf Discover und andere Oberflächen ausweiten.
  • Strafe: Google hat keine Strafe erwähnt, aber dieses Update könnte sich für bestimmte Websites,  wie eine Strafe anzufühlen.
  • Gesamte Website: Es handelt sich um einen standortweiten Algorithmus, d. h. die gesamte Website wird von dieser Aktualisierung betroffen sein.
  • Kein Kern-Update: Viele werden sagen, dies sei ein Kern-Update, aber das ist es nicht.
  • Englischsprachig, wird aber ausgeweitet: Die Aktualisierung betrifft derzeit nur englischsprachige Inhalte, wird aber wahrscheinlich auf andere Sprachen ausgeweitet.
  • Auswirkung: Bemerkbar machen wird sich das Update vor allem bei Online-Bildungsmaterialien, Unterhaltung, Shopping und technikbezogenen Inhalten.

Was ist darüber hinaus bekannt? Googles Helpful Content Update soll Inhalte fördern, die von Menschen für Menschen geschrieben wurden (people first). Ja, es ist richtig: Damit könnten search-engine-first-Inhalte ihre top Rankings verlieren. Nun stellen Sie sich aber einmal vor, das Helpful Content Update kommt und es passiert: gar nichts.

Ja, vielleicht passiert tatsächlich gar nichts.

Denn es gibt ein Geheimrezept, mit dem Ihr SEO-Content auch nach dem Update weiterhin top performt: er ist hilfreich! Dazu hat Google ein Dokument mit dem Titel „What creators should know about Google’s helpful content update“ veröffentlicht, das zeigt: hochwertige Inhalte werden von Google weiterhin bevorzugt. Das betrifft auch SEO-Texte. Oder gerade SEO-Inhalte. Optimierte Texte weisen nämlich, wenn sie gut gemacht sind, KEINE mechanische Sprache und nichtssagende Wortwüsten aus. Im Gegenteil: Optimierte Inhalte liefern Antworten, Checklisten, Fakten, Anleitungen, Meinungen und Erklärvideos. Kurz: Sie helfen Menschen weiter. Und genau deshalb wird Google nach dem Update gerade SEO-Content weiterhin gut bewerten.

Aber wie genau geht das jetzt? Wenn Sie sich jetzt fragen, wie Sie die Qualität Ihrer Inhalte sicherstellen können, hilft ein Blick in die Fragen, die Google bei der Bestimmung der Content Qualität stellt. Und hier soll wieder die Brücke zur Einleitung geschlagen werden, denn „Magic Cleaning“ funktioniert auch für Ihre Website. Mit den folgenden 7 Tippsübersteht Ihr Content mit Leichtigkeit das Helpful Content Update – und jedes weitere.

1 – Does it spark joy?

Fröhliche Menschen vor Laptop
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Wer sich mit „Magic Cleaning“ auseinandersetzt, der stößt auch auf die Frage „Does it spark joy?“ oder in der deutschen Variante „Macht es mir Freude?“. Nach diesem Kriterium wählt Maria Kondo aus, welche Gegenstände bleiben dürfen und welche aussortiert werden. Was keine Freude macht, kommt weg. Das gilt auch für Websites. Achten Sie immer darauf, nur Content zu produzieren, der Freude beim Lesenden entfacht, also hilfreich ist.

Diese Fragen aus der Qualitätsbewertung von Google unterstützen Sie:

  • Hat jemand nach dem Lesen Ihrer Inhalte das Gefühl, genug über ein Thema gelernt zu haben, um sein Ziel zu erreichen?
  • Ist dies die Art von Seite, die Sie mit einem Lesezeichen versehen, mit einem Freund teilen oder weiterempfehlen möchten?
  • Dient der Inhalt den echten Interessen der Besuchenden der Website? Oder existiert er, weil jemand versucht hat zu erraten, was in den Suchmaschinen gut abschneiden könnte?

2 – Zeit nehmen zum Aufräumen

Beim Magic Cleaning wird Aufräumen zum festen Teil des Tages. Der Grund: Jede Person vergeudet täglich mindestens eine Stunde mit der Suche nach Dingen, die sie nicht finden kann – Darunter auch Kund*innen, die sich auf Ihrer Website bewegen. Wenn Sie bereit sind, Ihre Website und einzelne Content-Pieces in Ordnung zu bringen, fangen Sie am besten mit einem Content Audit an und gehen Sie dann Schritt für Schritt vor.

Das Aufräumen funktioniert, indem Sie bestehende Inhalte löschen, umsortieren oder zusammenlegen. Sie werden überrascht sein, welches Ranking Ihre Inhalte erreichen können, wenn Sie sich diese Zeit nehmen. Schon bald werden Sie auf dem Weg zu einer aufgeräumten, besser organisierten Website sein – und Ihre Chancen auf eine gute Sichtbarkeit erhöhen.

3 – Einen Sinn finden

Unsere innere Einstellung kann viel mehr beeinflussen, als wir denken. Marie Kondo geht davon aus, dass wir das Aufräumen als Gelegenheit sehen sollten, einen schönen und einladenden Raum zu schaffen. Ob Sie nun Ihren bestehenden Content sortieren oder neuen Content erstellen, behalten Sie immer im Kopf: Sie schreiben für Menschen – dieser Sinn in der Content-Erstellung wird den entscheidenden Unterschied ausmachen. Für die Redakteurin bzw. den Redakteur, für den Lesenden und fürs Google-Ranking.

Nach dem Google Update werden die Fragen nach dem Zweck noch wichtiger:

  • Sind die Inhalte in erster Linie für Menschen gemacht und nicht, um Leute von Suchmaschinen anzuziehen?
  • Wurde der Inhalt in erster Linie von einem Menschen geschrieben und nicht durch umfangreiche Automatisierung?
  • Ist das Thema des Inhalts auf den Hauptzweck oder Schwerpunkt Ihrer Website ausgerichtet?

4 – Verlässliche Mehrwerte bieten

Zufriedene Menschen vor B2B Website
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Qualität zeigt sich vor allem durch Mehrwerte. Aus diesem Grund gewinnen mit dem Helpful Content Update die folgenden Fragen an Relevanz:

  • Bietet der Inhalt einen wesentlichen Mehrwert im Vergleich zu anderen Seiten in den Suchergebnissen?
  • Bietet der Inhalt originelle Informationen, Berichte, Untersuchungen oder Analysen?
  • Bietet der Inhalt eine aufschlussreiche Analyse oder interessante Informationen, die nicht offensichtlich sind?
  • Werden die Informationen so präsentiert, dass Sie ihnen vertrauen können, z. B. durch klare Quellenangaben, Belege für das beteiligte Fachwissen, Hintergrundinformationen über den Autor oder die Website, die den Inhalt veröffentlicht, z. B. durch Links zu einer Autorenseite oder einer Seite mit Informationen über die Website?

Achten Sie bei der Erstellung von Inhalten und bei der Optimierung für Suchmaschinen auf den Nutzen für Lesende, auf Einzigartigkeit und auf Originalität.

5 – Krimskrams muss weg

Marie Kondo bezeichnet mit dem Begriff „Komono“ all den Kleinkram, der sich mit der Zeit ansammelt. Im Haushalt gehört dazu alles von Kabeln und Geräten bis hin zu Kosmetika, Andenken, Papieren und Dekorationen. Diesen Kleinkram finden Sie auch auf Websites beispielsweise in Form von Texten, die am Thema vorbei gehen. Auch überflüssige Zahlen, Bilder ohne konkrete Aussage, Popups, gehaltlose Zwischenüberschriften, veraltete Videos oder Fotos ehemaliger Mitarbeitender können Komono sein.

Gestalten Sie Ihren Content klar und einfach. Darüber hinaus sollten Sie sich an diesen Fragen orientieren, die auch Google zur Bewertung heranzieht:

  • Beantwortet Ihr Inhalt (nur) die Frage, die er zu beantworten versprach?
  • Enthält der Inhalt eine übermäßige Menge an Anzeigen (oder anderes), die vom Hauptinhalt ablenken oder ihn stören?

6 – Alles hat seinen Platz

Eine der größten Herausforderungen beim Aufräumen besteht darin, einen Platz für alles zu finden. Auch für eine Website oder einen Onlineshop haben wir zwar eine ungefähre Vorstellung davon, wo Content hinkommen soll, aber manchmal haben wir nicht für jeden Text einen bestimmten Platz im Kopf. Das ist schlecht. Besser ist es, eine Struktur festlegen und uns daran zu halten. Nur auf einer aufgeräumten und gut organisierten Website werden sich Besucher*innen wohl fühlen.

Mit dem Helpful Content Update werden zudem die folgenden Fragen relevanter:

  • Bietet die Überschrift und/oder der Seitentitel eine anschauliche, hilfreiche Zusammenfassung des Inhalts?
  • Werden die Inhalte auch auf mobilen Geräten gut dargestellt, wenn sie darauf angezeigt werden?

7 – Sammeln und ordentlich präsentieren

Google bewertet Ihren Content anhand der Frage „Wurde der Inhalt gut produziert, oder wirkt er schlampig oder hastig produziert?“ Oder anders: haben Sie Ihre Website zugemüllt? Dann räumen Sie auf!

Der erste Schritt bei Marie Kondo besteht darin, alle Gegenstände an einem Ort zu versammeln und sie nach Kategorien zu sortieren. Dort werden Sie durch spezielles Falten oder Hinstellen übersichtlich als Päckchen präsentiert. In der gleichen Weise können Sie mit Ihrem Content vorgehen: Bilden Sie zusammengehörige Päckchen (Cluster) und legen Sie Wert auf eine übersichtliche und nutzerfreundliche Darstellung.

Fazit: Magic Cleaning hilft Ihnen beim Helpful Content Update

Die Magic-Cleaning-Prinzipien helfen Ihnen, mit dem Helpful Content Update von Google umzugehen. Es ist nicht nötig, all Ihre Inhalte zu löschen und neu zu erstellen. Bleiben Sie zunächst entspannt. Sind Ihre Inhalte im Zuge einer klugen SEO-Strategie bereits optimiert, könnten sich Ihre Rankings sogar verbessern. Wir empfehlen: Nehmen Sie sich das Update zum Anlass, Ihre Website einmal gründlich aufzuräumen – und fragen Sie sich bei jedem Inhalt „Does it spark joy?“

Über den Autor
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Über den Autor

Nadine Kadić ist Professional Content Managerin bei der clicks digital GmbH. Sie studierte Germanistik, Vergleichende Literatur-, Kulturwissenschaft sowie Medienkommunikation an der Universität Bonn und textet seit 2017 fürs Online Marketing. Privat liebt sie ihre Nähmaschine, Briefe schreiben, Pilze sammeln, lesen, bloggen, wandern und Do-it-yourself-Projekte.

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